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Enterprise Asset Management (EAM)

Mitarbeiter: David Essex

Enterprise Asset Management (EAM) ist der Prozess zur Verwaltung von physischen Assets (Anlagen, Geräte, immobile Einrichtungen) über den gesamten Nutzungszeitraum hinweg. Ziel ist es, Kosten einzusparen, den Nutzen zu maximieren, die Qualität zu verbessern, die Effizienz zu steigern sowie Gesundheit, Sicherheit und Umwelt zu schützen.

EAM wird hauptsächlich in Branchen eingesetzt, die auf teure und komplexe Assets wie Fahrzeuge, Anlagen und schweres Gerät angewiesen sind. Prominente Anwender sind die Öl- und Gas-Industrie sowie Schiffbau, Bergbau, Energie, öffentliche Verwaltung, Versorgung, Luft- und Raumfahrt und die Rüstungsindustrie.

Zwar lässt sich EAM mit Papier oder Desktop-Software, zum Beispiel mit Tabellenkalkulationen, bearbeiten, allerdings wird es häufiger mit spezieller EAM-Software ausgeführt.

Vorteile von Enterprise Asset Management

Da EAM dazu beiträgt, dass hochwertige Systeme so genutzt werden wie sie konzipiert sind, kann EAM Risiken und Kosten minimieren sowie den Unternehmenswert optimieren.

Zum Beispiel kann eine EAM-Software den Betriebsleiter auf einen anstehenden Ausfall eines Maschinenteils hinweisen. Dadurch lassen sich alle Informationen und Terminplanungen bereitstellen, damit ein Wartungstechniker umgehend das Teil austauscht, bevor es komplett ausfällt und weiteren Schaden verursacht. Eine rechtzeitige Wartung mindert außerdem das Risiko, dass nicht korrekt funktionierende Geräte Arbeiter verletzen oder Schadstoffe ausstoßen, die die Gesundheit und die Umwelt gefährden.

EAM trägt dazu bei, die Betriebskosten niedrig zu halten, indem die Supply Chain automatisiert wird. Ein optimaler Lagerbestand an Ersatzteilen und Werkstoffen verhindert Eilaufträge oder den Zwang, auf teure oder weniger zuverlässige Lieferanten zurückgreifen zu müssen.

Andererseits können EAM-Funktionen den Geschäftswert steigern. Zum Beispiel kann Analytics auf effiziente Möglichkeiten zur Umverteilung von Ausrüstungsgegenständen innerhalb einer Industrieanlage hinweisen, die zu neuen Geschäftsabläufen führen.

Funktionen der EAM-Software

Die meisten vollwertigen EAM-Systeme verfügen über alle Funktionen zur Bewältigung aller typischen EAM-Business-Aufgaben.

Das, was die Marktforschungsfirma Gartner als Kern-EAM bezeichnet, konzentriert sich auf die Pflege einer genauen, detaillierten Datenbank mit allen Assets, deren Eigenschaften und Vorgeschichte sowie auf alle Dokumente zur Einhaltung der Compliance. Da bei den meisten EAM-Aspekten auch die Aufstellung der Sachanlagen betroffen ist, verwenden Unternehmen hierfür häufig ihr Stammdaten-Management. Damit wird sichergestellt, dass alle Daten korrekt und überall dieselben sind. Häufig gehören auch Analytics und Finanz-Management-Tools zur EAM-Software.

Das Asset Lifecycle Management ist eine weitere gängige EAM-Softwarefunktion. Es umfasst die wichtigsten Phasen des Nutzungszyklus eines Objektes, vom ersten Entwurf über die Planung der Herstellung beziehungsweise dem Bau, wenn es sich um ein Gebäude oder eine andere Infrastruktur handelt, der Garantieverwaltung, der Stilllegung bis hin zur Entsorgung.

Supply Chain Management (SCM) ist in EAM unerlässlich, da die Versorgung mit Materialien und Komponenten zur Herstellung, Instandhaltung oder Reparatur von Anlagen sichergestellt sein muss. Die meisten EAM-Programme verfügen über Funktionen für die Bestandsführung, die Materialwirtschaft und den Einkauf. Tools für die Bedarfsplanung können bei der Prognose helfen.

Die Instandhaltungsplanung ist neben dem Anlagenregister wohl die am meisten genutzte Komponente von EAM. Hier behalten Anwender der EAM-Software den Überblick über das verfügbare Personal und seine Fähigkeiten, erteilen Arbeitsaufträge für Wartungs- oder Reparaturarbeiten, erfassen Stunden und veranlassen die Bezahlung.

Üblich sind auch vorbeugende oder präventive Wartungsfunktionen, die in der Regel von den Analyse-Tools der EAM-Software bereitgestellt werden. Ebenso kann eine Projekt-Management-Software zum Managen von komplexen Aufgaben enthalten sein.

Die ersten EAM-Programme waren Standalone-Versionen oder sie waren mit mehreren Usern vernetzt, die die Daten manuell eingegeben haben. Heute werden viele Daten der Anlagen oder Geräte automatisch von Sensoren erfasst. Die Übertragung kann drahtlos oder über kabelgebundene Netzwerke erfolgen. Manchmal beträgt die Entfernung Tausende Kilometer. Diese Konnektivität ermöglicht eine Fernüberwachung der Assets sowie einen mobilen Zugriff auf die EAM-Programme.

EAM ist häufig in ERP-Software integriert, hauptsächlich für Finanzbuchhaltung. Einige Unternehmen nutzen statt EAM-Features lieber ihr ERP-System für Einkauf, Personal-Management, Supply Chain Management sowie für Umweltschutz-, Gesundheits- und Sicherheitsfunktionen.

Ein EAM-Paket kann auch in Nischenlösungen integriert sein, die eine Teilmenge des EAM-Prozesses verarbeitet. Typische Fälle sind computergestütztes Wartungs-Management (Computerized Maintenance Management System, CMMS) oder eine Software für Wartung, Reparatur und Betrieb (Maintenance, Repair und Operations, MRO).

Die Integration mit einem graphischen Informationssystem (GIS) kann die Darstellung von kartographischen Informationen verbessern. Beispielsweise, wenn es um Asset-Standorte und die zugehörigen Wartungsrouten geht. Außerdem kann eine 3D-Visualisierungssoftware die Asset-Informationen eines EAM-Systems unterstützen.

EAM-Programme entsprechen normalerweise der ISO 55001:2014, einem internationalen Standard für Asset-Management-Systeme.

EAM-Softwareanbieter

Die meisten großen Anbieter von ERP-Software, einschließlich SAP, Oracle und Infor sowie auch kleinere Anbieter, wie IFS, bieten EAM-Module zu unterschiedlichen Preisen an. Dabei ist das EAM-Modul normalerweise in das ERP-System des Anbieters integriert. Häufig aber wählen die Kunden für beide Systeme unterschiedliche Anbieter.

Es gibt zahlreiche Nischenanbieter für EAM. Gartner nennt in seinem Magic Quadrant for Enterprise Asset Management Software (November 2017) auch ABB, eMaint, Mainsaver Software, Ramco Systems und Schneider Electric als EAM-Anbieter.

In den letzten Jahren haben die Anbieter von EAM-Software damit begonnen, die Grenzen ihrer Systeme auf Hersteller und Dienstleister auszudehnen, die über ein Cloud-basiertes Netzwerk auf ein gemeinsames Asset-Register zugreifen können. Ein Ziel ist es, Anlagendefinitionen zu standardisieren und die manuelle Dateneingabe zu minimieren. Ein Beispiel ist das SAP Asset Intelligence Network (AIN).

Gartner prognostiziert, dass in großen und anlagenintensiven Unternehmen die On-Premises-Installationen von EAM bis 2020 weiterhin dominieren werden. Wogegen kleinere Firmen eine Cloud-Lösung bevorzugen, einschließlich Software as a Service (SaaS).

Diese Definition wurde zuletzt im Mai 2018 aktualisiert

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